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24.09.2017 | 17:55 Uhr | Uta Helkenberg

Erste Deutsche Amateur-Meisterschaften waren ein voller Erfolg

Felicitas Lackas und Jakob Kock-Evers sind die ersten Titelgewinner in Dressur bzw. Springen

Marburg (fn-press). Eine lockere Atmosphäre, ein wunderschönes Ambiente und hochmotivierte Amateure: Das waren die Zutaten für die gelungene Premiere der Deutschen Amateur-Meisterschaften in Dagobertshausen bei Marburg. Als erste Titelgewinner schreiben Jakob Kock-Evers aus Hamburg mit Cadeau du Ciel und Felicitas Lackas aus Rotenburg mit Londonbeat ein Stückchen Pferdesportgeschichte.

Drei Tage verbrachten die ersten DAM-Teilnehmer zusammen auf der Reitsportanlage der Marburger Familie Pohl in Dagobertshausen, bestritten zwei Qualifikationsprüfungen und zum Teil auch das große Finale am Sonntag und kamen beim kulinarischen Rahmenprogramm und im Stallzelt miteinander ins Gespräch. Die meisten waren mit Familie angereist oder hatten Freunde dabei. „Es ist alles sehr entspannt hier, ein bisschen wie Urlaub“, sagte Petra Rüder (Blieschendorf). Die Hotelbetriebswirtin von der Insel Fehmarn war die Einzige der insgesamt 41 Titelbewerber, der an diesem Wochenende kein einziger Springfehler unterlief. In der Siegerrunde war sie mit Latigo allerdings einen Wimpernschlag langsamer als Kock-Evers. Der Hamburger Schornsteinfeger benötigte zuletzt nur unschlagbare 42,08 Sekunden für den fehlerfreien Stechparcours. „Das habe ich schon beim Reinreiten gewusst, dass ich ihn nicht mehr schlagen kann“, sagte Rüder lachend. „Und nicht gönnen können, bringt es überhaupt nicht.“ Sie gewann nicht nur Silber, sondern auch den Horsemanship-Preis. Die Bronzemedaille ging an die Erzieherin Alexandra Eckhoff (Wölpinghausen) mit Balou’s Bazouka. Vor fünf Jahren hatte sie einen schweren Unfall, der sie beinahe ein Bein gekostet hätte. „Es war unklar, ob ich überhaupt wieder reiten können würde. Ich bin super stolz, dass ich überhaupt und auch auf diesem Niveau wieder reiten kann und das mit einem selbst gezogenen Pferd“, sagte sie.

Auf dem Viereck setzte sich im Kürfinale – wie schon in der Qualifikationsrunde - Felicitas Lackas mit Londonbeat durch. „Mit so was darf man nicht rechnen, das muss man annehmen, wenn es passiert“, sagte die Premierensiegerin auf dem Viereck noch etwas fassungslos über ihren Erfolg. Gleich zwei Mal wurde in Dagobertshausen der Titel der Vizemeisterin vergeben: an Miriam Maurer mit Solist sowie Katrin Berning mit San-Siro. Die 27-jährige Miriam Maurer ist im Sport keine Unbekannte. Mit ihrem zweiten Platz knüpft die Betriebswirtin aus Bad Friedrichshall an vergangene Erfolge als Juniorin und Junge Reiterin an. Anders Katrin Berning aus Petershagen, die erst 37-jährig erstmals an einer E-Dressur teilnahm und mit ihren 53 Jahren zu den ältesten Teilnehmern der Meisterschaft zählte. Insgesamt bewarben sich 39 Paare aus ganz Deutschland um den Titel, 15 von ihnen zogen ins Kürfinale ein.

Die erste Deutsche Amateur-Meisterschaft, für die sich die Teilnehmer bei insgesamt 16 Qualifikationsturnieren in ganz Deutschland empfehlen konnten, offenbarte die ganze Bandbreite derjenigen, die in ihrer Freizeit auf schwerem Niveau reiten. Von der ehemals hocherfolgreichen EM-Teilnehmerin wie Miriam Maurer bis zur Biologie- und Chemie-Lehrerin mit selbst gezogenem Pferd wie Verena Oberscheidt (Ennigerloh), von dem zu DDR-Zeiten hocherfolgreichen Springreiter wie Ralf Deutschmann aus Schlagenthin, der nach der Wende einen Containerbetrieb aufbaute und seither gut „mit“ statt „von“ Pferden leben kann bis zum Diplom-Immobilienkaufmann wie Malte Laub aus Chemnitz, der nach seiner Arbeit bis spät abends noch im Sattel sitzt. Für sie alle sind Pferde und Reiten vor allem eines: eine absolute Lieblingsbeschäftigung, die mit Ehrgeiz betrieben wird.

„Es war so eine tolle Stimmung“, freute sich Konrad Kugler. Dr Leiter der Reitsportanlage Konrad Kugler organisierte zusammen mit seiner Frau Sigrun das Turnier und war nahezu unermüdlich um die Zufriedenheit aller Beteiligten besorgt. Zusammen mit dem Helferteam gaben sie allen das Gefühl, willkommen zu sein. „Man merkte von Anfang an, dass sie sich freuten, uns hier zu haben“, brachte Petra Rüder es auf den Punkt.

Dankbar für die tolle Plattform, die Dagobertshausen für die ersten Deutschen Amateur-Meisterschaften bot, war aber auch Leonie Süß, die in der Abteilung Turniersport der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) das Projekt „DAM“ betreute. „Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen“, sagte sie. 

Nach der DAM ist allerdings auch vor der DAM. So steht jetzt schon fest, dass Dagobertshausen auch im kommenden Jahr Gastgeber der besten Amateure Deutschlands sein wird. „Wir haben das Feedback von allen Reitern und allen Beteiligen eingeholt. Das müssen wir jetzt auswerten. So groß die Begeisterung über die Veranstaltung selbst war, lassen sich Ausschreibung und Qualifikationsweg sicher noch optimieren“, kündigte Süß an. Hb

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