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Neue Leistungs-Prüfungs-Ordnung regelt vieles neu – Vorteile für Reiter, Pferde und Turnierveranstalter

Ab Januar 2018 wird im Turniersport nichts mehr so sein wie bisher. Mit der Novellierung der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) wird der Pferdesport auf allen nationalen Turnieren in Teilen neu geregelt. 30 Arbeitsgruppen der FN haben sich über zwei Jahre mit den neuen Bestimmungen befasst. Jetzt liegt der gelbe Ordner in seiner Endfassung vor. Das Interesse an der neuen LPO ist nach den Worten von Robert Kuypers, Geschäftsführer des Pferdesportverbandes Hessen (PSVH), so enorm, dass sich der Verband entschlossen hat, hessenweit eine ganze Reihe von Seminaren anzubieten, insgesamt vier in Nord-, Mittel- und Südhessen. Eingeladen waren Trainer, Vereinsvertreter und Betreiber von Reitanlagen, aber auch Turnierreiter selbst.

Rund 400 Pferdeleute habe man auf diese Weise erreicht, sagte Kuypers bei einem zweitägigen Seminar im mittelhessischen Lich, wo alleine 150 Teilnehmer der Einladung gefolgt waren. Novellierungen der LPO seien nicht ungewöhnlich und würden alle drei bis vier Jahre durchgeführt und den sich ständig wandelnden Anforderungen an den Turniersport angepasst, wobei man sich bei der FN natürlich auch an internationale Standards anlehne. Die jetzt erfolgte Novelle sei jedoch sehr weitgehend.

Es ändere sich diesmal sehr viel, sagte Kuypers, der die neuen Regeln gemeinsam mit seiner Geschäftsstellenmitarbeiterin Anja Weiß vorstellte. Viele Änderungen betreffen den Tierschutz. Kuypers sagte, die Reitsportverbände stünden unter einer immer kritischer werdenden Beobachtung durch Tierschutzorganisationen wie PETA, die jeglichen Reitsport am liebsten ganz verbieten würden. Um solchen Kräften keine zusätzlichen Angriffsflächen zu bieten, gehe es in der neuen LPO verstärkt auch um das Thema Tierschutz. So muss künftig auch der Umgang mit dem Pferd den Regeln der jeweiligen Reit-, Fahr- und Voltigierlehre sowie den Grundsätzen der Unfallverhütung entsprechen. Bislang war das zwar auch schon so, weil selbstverständlich. Aus vielfach gegebenem Anlass aber hat die FN diese Grundsätze nun auch schriftlich in der LPO fixiert.

Änderungen betreffen in diesem Zusammenhang auch die Ausrüstung. So müssen Reithalfter so beschaffen sein, dass sie leicht anliegen und weder die Atmung des Pferdes, noch die Maultätigkeit unterbinden. Zum Schutz der Pferdebeine erlaubte Ausrüstungsgegenstände dürfen künftig nach Betreten des Vorbereitungsplatzes in ihrem Sitz nicht mehr ohne Richtererlaubnis verändert werden. Bei Nichtbeachtung dieser Regel sieht die neue LPO vor, dass dies als „unsportliches Verhalten“, das zum Turnierausschluss führen kann, gewertet wird. Nach der so genannten „Blut-Regel“ sind Pferde, an denen in Bereichen, an denen üblicherweise mit einer Einwirkung durch den Reiter zu rechnen ist, frisches Blut festgestellt wird, nach der neuen Regelung vom Turnier auszuschließen. „Fliegenhäubchen“ bekommen nach der neuen LPO eine erweiterte Bedeutung als Ohrenschutz, nicht nur vor Fliegen, auch vor Lärm. Der Ohrenschutz darf nicht mit dem Nasenriemen verbunden sein und muss das „Ohrenspiel“ zulassen. Lärmdämmendes Material muss so beschaffen und angebracht sein, dass es nicht in den Gehörgang hineinreicht.

Neu geregelt ist auch das Richten am Abreiteplatz. Künftig muss vom Veranstalter bei jedem Turnier für jeden Abreiteplatz ein Richter eingesetzt werden. Ab 2018 muss bei Turnieren ein Hufschmied nicht mehr zwingend vor Ort sein. Immer wieder hatten Hufschmiede beklagt, dass sich für sie der Wochenendeinsatz auf einem Turnier bei weitem nicht rechne. Der Veranstalter muss künftig bereits in der Ausschreibung erklären, ob ein Hufschmied vor Ort ist, bzw. welcher Hufschmied wie zu erreichen ist.

Auch neu: „Ehrenrunden“ nach den Platzierungszeremonien sind nach der neuen LPO verbindlich. Die LPO will damit auch den Interessen der Sponsoren, ohne die Turniere kaum noch veranstaltet werden können, Rechnung tragen. Nimmt ein Reiter ohne Erlaubnis – Dispens, etwa weil er sich auf eine andere Prüfung vorbereiten muss – an einer Ehrenrunde nicht teil, führt das zur Aberkennung der Platzierung.

Ein Ärgernis vieler Turnierveranstalter wird mit der neuen LPO zumindest abgemildert: Häufig nennen viele Reiter mehrere Turniere gleichzeitig, um sich kurzfristig, dann in Kenntnis der Konkurrenten oder der Besetzung der Jury, zu entscheiden, welches Turnier sie besuchen. Das führte in der Vergangenheit sehr häufig dazu, dass Nennungen anderer Reiter abgelehnt werden mussten, weil Prüfungen mit Teilnehmerbeschränkung im Vorfeld überbucht waren. Beim Turnier selbst waren dann aber wegen des Nichtantretens noch Startplätze frei und Teilnehmerfelder möglicherweise sogar zu klein. Ab 2018 sind „Leistungsprüfungen mit Maximalzahlen der zulässigen Nennungen“ mit mindestens zwei weiteren Handicaps auszuschreiben, einer räumlichen Beschränkung, z.B. auf einen Regionalverband, sowie einer weiteren Einschränkung, z.B. Vorerfolge. Ziel der Neuerung ist es, dass nicht diejenigen zum Zuge kommen, die am schnellsten ihre Nennung abgeben, sondern ein zielgruppenspezifisches Starterfeld im Dressurviereckmoder im Springparcours aufeinander trifft. Außerdem dürfen Reiter Prüfungen mit Startplatzbegrenzung künftig nur noch maximal für zwei Turniere je Veranstaltungstag gleichzeitig nennen.

Die neue LPO ist ab sofort in gedruckter Form im Buchhandel, in Reitsportgeschäften und direkt beim FN-Verlag erhältlich.

Hier haben wir für Sie die PP-Präsentation von den Veranstaltungen .

 

LPO2018 Kuypers 3LPO2018 Saal


 

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