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Die „DHM der knappen Entscheidungen“ - Ausrichter gelingt Titelverteidigung nach packendem Finale

[Von Elena Otto-Erley]

Das vergangene Wochenende stand aus Sicht des Marburger Hochschulsports ganz im Zeichen der Pferde: auf der wunderschönen Reitsportanlage in Dagobertshausen ermittelten die besten Studentenreiter Deutschlands ihre neuen Meister und Medaillenträger.

Startberechtigt waren die zwölf Teams, die den Qualifikationsweg über die im Winter wöchentlich stattfindenden Turniere erfolgreich gemeistert hatten, sowie neun vom Verband nominierte Einzelreiter.

Studententurnier – wie funktioniert das eigentlich?

Das Besondere am Modus der Hochschulvergleichsturniere, sogenannter "CHUs" ist, dass die Teilnehmer nicht ihre eigenen Pferde mitbringen, sondern auf zugelosten, ihnen unbekannten in den Wettbewerb starten. Dabei hat jeder Reiter nur wenige Minuten Zeit, um sich auf seinen vierbeinigen Sportpartner einzustellen. Danach heißt es stets sein Bestes geben, um sich gegen die anderen beiden Reiter auf dem jeweiligen Pferd durchzusetzen.

Studententurniere finden immer als Mannschaftswettkampf statt, der Teamgeist steht also ganz besonders im Vordergrund. Die Turniere in der Saison, auf denen die Punkte für einen begehrten Startplatz auf den Deutschen Hochschulmeisterschaften – kurz „DHM“ gesammelt werden, werden bis zur Klasse M ausgerichtet, auf der Meisterschaft selbst wird in den Finals auf S-Niveau geritten, der höchsten Klasse im deutschen Reitsport.

Saisonhöhepunkt DHM

Die DHM ist jedes Jahr das Highlight für Studentenreiter aller Generationen. Aus ganz Deutschland kommen Aktive und Altakademiker zusammen um gemeinsam ein Wochenende voller spannendem Sport, Emotionen und nicht zuletzt auch grandioser Partys zu verbringen. In diesem Jahr sollte es besonders spannend werden: Klare Favoriten hatten sich im Vorfeld herauskristallisiert, so hatten München, Mainz, Paderborn und Münster die wie jedes Jahr äußerst selektiven Vorrundenturniere klar dominiert; aber auch die vorab qualifizierten erfolgreichen Teams der vorherigen Saison – Ulm, Hannover, Duisburg-Essen und Vorjahressieger Marburg hatten bereits ihr Können unter Beweis gestellt.

Nachdem am Freitag in der Dressur und am Samstag im Springen die Grundsteine gelegt waren, wurde es knapp auf den oberen Plätzen: nur drei Teams dürfen, so besagt es das Regelwerk, am Sonntag im Mannschaftsfinale um die Medaillenränge kämpfen – fünf Teams hatten an beiden Tagen nahezu gleiche Leistungen abgeliefert: Mainz, Paderborn, Ulm, Duisburg-Essen und Marburg. Die Verkündung, die wie üblich auf dem großen DHM Ball stattfand, wurde dementsprechend zur Zitterpartie. Am Ende hatten drei Uni-Mannschaften Grund zum Jubeln und Feiern: Ulm, Duisburg-Essen und Marburg durften am Sonntag noch ein letztes Mal in beiden Disziplinen in den Sattel steigen um die Karten neu zu mischen!

Die Mannschaftsentscheidung im spannenden Finale

Bereits nach der Dressur (einer L-Aufgabe auf Kandare in der Abteilung geritten) war klar, dass dies erneut eine knappe Entscheidung werden würde: Ulm und Marburg hatten mit hohen Mannschaftsnoten vorgelegt, beide Teams trennten nur 0,3 Punkte voneinander – weniger als ein Fehler im Parcours also. Im entscheidenden L-Springen fiel zunächst bei jedem Reiter eine Stange – der Abstand blieb knapp. Zum Abschluss hatte es Simon Heinzelmann aus Ulm in der Hand, doch eine Unstimmigkeit mit dem ihm zugelosten Pferd ließen den Traum von Mannschaftsgold platzen. Nachdem auch die letzte Duisburger Reiterin nicht fehlerfrei ins Ziel kam war die Zerreißprobe für die Nerven beendet und Marburg konnte sich als Gastgeber und Titelverteidiger alter und neuer deutscher Hochschulmeister nennen!

Für die Mannschaft aus Ulm reichte es wie im letzten Jahr zur Silbermedaille, Duisburg-Essen freute sich über Bronze.

Weitere knappe Entscheidungen: Die Einzelmedaillen

Nach dem Krimi um die Mannschaftsmedaillen standen noch zwei Entscheidungen aus: die Einzelfinals in Springen und Dressur. Im Springfinale, ausgetragen in zwei Runden auf S-Niveau setzte sich die Iserlohnerin Carina Schlief knapp gegen ihre Kontrahentin Jenny Gerhards aus Aachen durch, die beiden trennte am Ende ebenfalls lediglich ein Springfehler. Bronze ging an den Marburger Justus Ohde.

Auch in der Dressur blieb es eine DHM der knappen Entscheidung, hier konnte sich nach Pflicht und Kür mit einem Zehntel-Punkt Vorsprung Elisa Abeck aus Duisburg an die Spitze setzen und Justus Ohde auf den zweiten Platz verweisen. Hier ging die Bronzemedaille an Liesa Schaller von der Uni Münster.

Nach zwei Medaillen aus zwei Disziplinen war Justus Ohde aus Marburg der Titel in der Kombinierten Wertung nicht mehr zu nehmen, hinter ihm reihten sich die Mainzerin Pauline Marzik (Silber) und die Bremerin Anne Lubina ein, die in beiden Disziplinen an den Vortagen ebenfalls vordere Platzierungen erreicht hatten.

Die ausrichtende Uni Marburg kann sich nun nicht nur über eine gelungene Titelverteidigung und das Bewältigen der Mammutaufgabe „Organisation einer DHM“ freuen, sondern durch den Sieg auch über die direkte Qualifikation zur DHM 2018 in Hannover, wo es im Dezember wieder mindestens genauso spannend wird. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja dann schon das dritte Mannschaftsgold in der Geschichte für Marburg?

2017 DHM Marburg

 

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