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Lich. Reiten in Hessen ist im Aufwind. Dr. Wolfgang Kubens, Vorsitzender des Pferdesportverbandes Hessen-Nassau (PSVHN), sieht ein spürbar steigendes Interesse der Bevölkerung am Pferdesport: „Pferde entwickeln auf die Menschen, vor allem auf Jugendliche und Kinder, eine große Anziehungskraft, ihr Image ist positiv besetzt.“ Kubens, der viele Gespräche über Sport und Sportförderung führt, auch mit Politikern, sagt, er stelle immer wieder mit Verwunderung fest, wie überrascht seine Gesprächspartner oft reagieren, wenn sie erfahren, dass die Reiterei in Hessen mit rund 70000 eingetragenen Mitgliedern der achtstärkste Sportverband im Land und entgegen landläufiger Meinung längst nicht mehr elitär sei.

Das dem Reitsport in der Öffentlichkeit entgegengebrachte Ansehen sei zwar ausgesprochen positiv zu bewerten. Es könne aber leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass es zunehmend schwieriger wird, reitsportaffine Menschen, vor allem auch jüngere, für eine Mitgliedschaft in einem Reitverein zu begeistern. Viele Vereine, das kann auch Verbandsgeschäftsführer Robert Kuypers bestätigen, klagen über stagnierende, teils auch rückläufige Mitgliederzahlen. Vor diesem Hintergrund hat sich der Vorstand des PSVHN zu einer Klausurtagung im mittelhessischen Lich getroffen – einziger Tagesordnungspunkt: Mitgliederwerbung.

Ein Ansatzpunkt dafür, den Verband breiter aufzustellen, war es, durch geeignete Maßnahmen dafür zu sorgen, dass der Verband in der Öffentlichkeit  nicht länger nur als Förderer des Leistungssports wahrgenommen wird. „Dressur- und Springreiten als Leistungssport  ist das eine. Es gibt aber auch noch eine ganze Reihe weiterer Interessengruppen, zuallererst die große  Gruppe der Freizeitreiter, aber auch die der Westernreiter“, sagte Kubens. Ziel müsse es sein, auch Reitern, denen weniger am Leistungssport im Dressurviereck oder im Springparcours gelegen sei, zu vermitteln, dass alle, die Spaß am Umgang mit dem Pferd haben, in den vielen Reitvereinen, aber auch im Pferdesportverband eine Heimat haben können. „Wir wollen versuchen, Reitern gleich welcher Ausrichtung, zu kommunizieren, mit welchen Vorteilen eine Mitgliedschaft in einem Reitverein verbunden ist, abgesehen von der Gemeinschaft“, sagte Kuypers. Nicht zuletzt durch die Lobbyarbeit des Hessischen Pferdesportverbandes sei zum Beispiel das Hessische Waldgesetz zu dem geworden, was es heute ist: eins der liberalsten Waldgesetze der ganzen Republik, es erlaube jedermann jederzeit, auch Reitern, das Betreten des Waldes, so Kuypers.

Einen besonderen Fokus legten die Teilnehmer der Verbandsklausur auf die Werbung von Kindern und Jugendlichen. Wie enorm groß und wachsend deren Begeisterung für Pferde sei, werde nicht zuletzt bei den vom Verband organisierten „Backstage“-Führungen bei großen Turnieren, etwa dem Frankfurter Festhallenturnier oder dem Pfingstturnier im Schlosspark zu Biebrich, deutlich. Dort haben im vergangenen Jahr über 800 Kinder begeistert hinter die Kulissen geschaut. In diesem Jahr sollen es noch mehr sein. Der PSVHN will jetzt Kontakt zu den Kreisreiterbünden in seinem Verbandsgebiet aufnehmen, sie seien die Multiplikatoren vor Ort. Ziel ist es, junge Leute zu einem für sie attraktiven  Event einzuladen, um so bei ihnen Interesse am vereinsgebundenen Pferdesport zu generieren. Insbesondere sollen bei dieser Imagekampagne auch die sozialen Medien bespielt werden: „Wir müssen die Menschen dort abholen wo sie sind, das geht heute natürlich am besten über Facebook und Twitter, aber auch mit WhatsApp-Gruppen. Wir werden dabei ganz bewusst moderne Kommunikationswege beschreiten, wollen aber auch den Kontakt zu den Schulen suchen“, sagte Kubens.

Bei der einen Klausurtagung soll es nicht bleiben. Schon unmittelbar im Anschluss an die hessischen Sommerferien wird der Verband seine Vorstandsmitglieder zu einem weiteren Brainstorming einladen und dabei möglicherweise bereits erste Ergebnisse präsentieren.
Alexander Schneider

 

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