Deutsche Meisterschaften Vierkampf 2026: Hessen im "Vierkampffieber"

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Die hessischen Teams mit Trainerin Annika Dechert in Fürstenwald. Foto: Carlotta Bansa
 
Vom 16.-19. April 2026 fanden die Deutschen Meisterschaften im Vierkampf im hessischen Fürstenwald auf der Reitanlage der Familie Pavel statt.
 
Für die Vierkämpfer des Pferdesportverbandes Hessen also ein Heimspiel der besonderen Art. Der ausrichtende Verband darf laut Reglement sowohl in der Deutschen Meisterschaft als auch im Bundesnachwuchsvierkampf statt einer, sogar zwei Mannschaften stellen. So machten sich im Anschluss an die Hessischen Meisterschaften und den Sichtungslehrgang die 20 besten Hessen auf den Weg nach Fürstenwald.
 
Gut vorbereitet, motiviert und bereit alles zu geben machten sich unsere Mädels und Jungs mit ihren Pferden in den Trainings am Donnerstag und Freitag zunächst einmal mit der gesamten Atmosphäre und der Prüfungshalle vertraut, bevor der Wettkampf am Freitagnachmittag mit dem Schwimmen in Hofgeismar begann.
 
Auf der 50m-Strecke der Deutschen Meisterschaft konnten vor allem Nele Bansa und Philipp Erik Schlaudraff (beide Hessen 1) mit 32,0 und 33,2 Sekunden als je Zweitschnellste überzeugen und so eine gute Grundlage für das Team schaffen. Die besten Zeiten für das Team Hessen 2 schwammen mit 37,3 und 38,6 Sekunden Matilda Niemann und Lisa Sturm. Schnellste Hessin im Bundesnachwuchsvierkampf war Frauke Kredel, die mit 37,8 Sekunden am Beckenrand anschlug.
 
Die Spannung am Samstagmorgen war groß, als das Team Hessen 1 mit Nele Bansa, Tiara Kramer, Nele Reineck und Philipp Erik Schlaudraff als erster Starter in die Prüfungshalle einritt. Mindestens genauso groß wie die Spannung, war aber auch der Stein der allen Beteiligten nach der Dressuraufgabe und mit dem letzten Gruß vom Herzen fiel. Hessen 1 legte gut vor. Nele Bansa und ihre Stute Feine Fiene wurden mit einer beeindruckenden 8,8 und schlussendlich dem zweiten Platz in dieser Prüfung belohnt, Philipp Schlaudraff und Fleuron d´or rouge bekamen eine 7,2. Die beiden Fremdreiterinnen Nele Reineck und Tiara Kramer überzeugten mit zwei tollen Fremdpferden aus Bayern und legten mit 8,5 und 8,0 ebenfalls sehr gut vor. Auch das Team Hessen 2 beeindruckte mit einem unheimlich gleichmäßigen Mannschaftsbild und guten Einzelnoten. Lotta Kickartz und Balou P sowie Katharina Freitag und Sri Lanka legten mit 8,5 und 8,3 gut nach. Lisa Sturm und Matilda Niemann konnten die guten Grundlagen mit den beiden guten Fremdpferden aus Schleswig-Holstein bestätigen und bekamen Noten von 7,8 und 7,7.
 
Auch in der Dressur des Bundesnachwuchsvierkampfes konnte der Pferdesportverband Hessen mit beiden Teams ein klares Zeichen setzen und die Richter begeistern. Das Team Hessen 2 mit Mia Joulie Franz, Lina Goßmann, Hugo Wagner und Flora Niebeling legte als erste Mannschaft mit den Noten 8,8, 8,5, 7,5 und 7,2 schon richtig gut vor. In der Einzelwertung der Dressur sicherte sich Mia Joulie Franz mit ihrem Ergebnis von 8,8 Platz zwei. Das Team Hessen 1 mit Amelie Meisinger, Frauke Kredel, Lilly Kleinert und Antonia Sophie Herold bestätigte die guten reiterlichen Grundlagen mit Einzelnoten von 8,4, 7,4, 8,2 und 8,0.
 
Mit der Dressur stak nach vorne gekämpft, starteten die Hessenteams von Platz vier und fünf in den 3000-Meter Lauf der Deutschen Meisterschaft am Samstagnachmittag. Als Schnellste der Hessen kamen Lotta Kickartz (12:43 min) und Philipp Schlaudraff (12:45 min) ins Ziel. Die weiteren hessischen Teilnehmerinnen erbrachten in dieser Disziplin solide Leistungen. So konnte das Team Hessen 1 Platz vier verteidigen, Hessen 2 sollte nach dem Laufen als sechste ins abschließende Springen am Sonntag starten.
 
Ein Ausrufezeichen setzten die beiden hessischen Nachwuchsmannschaften bei ihrem Geländelauf über 2.000 Meter. Hier war sowohl in der Einzel- als auch in der Gesamtwertung keiner schneller. Hugo Wagner überquerte nach 07:35 Minuten als Erster und Frauke Kredel nach 07:50 Minuten als Dritte die Ziellinie, alle anderen legten mit weiteren schnellen Zeiten nach und leisteten damit einen enormen Beitrag zu einer aussichtsreichen Position auf der Ergebnisliste nach den ersten drei Disziplinen. Hessen 2 sollte somit als sechste in das abschließende Springen starten, für Hessen 1 ging es mit einem vorläufigen zweiten Platz am Sonntag ganz klar um den Kampf um den Titel des Bundesnachwuchsvierkampfes.
 
Doch bevor es am Sonntag um gutes Springreiten und den Kampf um die Podestplätze gehen sollte stand zunächst einmal der Länderabend am Samstag auf der Zeiteinteilung. Nach „Hessischer Art“ wurde im Flughafen Kassel-Calden bei bester Stimmung zunächst sehr gut gegessen, bevor die einzelnen Landesverbände sich beim Einmarsch zu ihren Landeshymnen richtig feiern ließen. Nach einigen kurzweilige Reden und einer Sonderehrung für Hugo Wagner als schnellsten Läufer der 2.000m, war wortwörtlich „Gute Laune“ angesagt. Mit guter Musik und ausgelassener Stimmung wurde bis in die Abendstunden gefeiert, getanzt und die Abflughalle mehr als nur zum Leben erweckt.
 
Auch wenn der Wettergott am Sonntagmorgen mit Sturm und Starkregen nicht ganz auf unserer Seite war, wurde die Vorfreude und positive Anspannung kaum getrübt. So konnten unsere hessischen Vierkämpfer einmal mehr in der Reithalle abliefern. Lotta Kickartz und Matilda Niemann legten mit ihren Pferden Chacooba und Carl der Große mit Noten von 8,4 und 8,3, als erste und zweite Starterin in der Springprüfung der Klasse A der Deutschen Meisterschaft, die Messlatte schon einmal richtig hoch. Alle anderen Hessen, wie beispielsweise Tiara Kramer (8,3) und Katharina Freitag (8,1-0,2) bestätigten diesen Eindruck ohne Hindernisfehler, mit einem guten Sitzfundament und viel Gefühl für die Eigenen, wie auch die Fremdpferde aus Berlin-Brandenburg und Schleswig-Holstein mit Noten von 7,3 und besser.
 
In der Springprüfung der Klasse E legte Lilly Kleinert mit einer 8,3 als erste Starterin wieder richtig gut vor. Lina Goßmann erhielt eine Grundnote von 8,2 und Hugo Wagner bestätigte die guten hessischen Grundlagen mit einer 8,0. Alle anderen zeigten Leistungen im ziemlich guten bis guten Bereich und die Anspannung mit Blick auf die Rangliste wurde von Ritt zu Ritt eher mehr als weniger.
 
Schon vor der Siegerehrung wurde viel gerechnet und über ein mögliches Highlight in der Einzelwertung spekuliert. Als dann aber der Name von Lilly Kleinert als Siegerin der Einzelwertung des Bundesnachwuchsvierkampfes erklang, gab es bei den hessischen Teilnehmern, Eltern und Begleitern kein Halten mehr und Lillys unglaublich starke Leistung mit ihrem Pony Rania wurde mit großer Begeisterung und einem lauten „Oooohhh Lilly“ gefeiert. Was für ein toller Erfolg! Amelie Meisinger wurde in dieser Einzelwertung achte.
 
In der Mannschaftswertung belegte das Team Hessen 2 mit Reservereiterin Leni Waßmuth einen starken siebten Platz. Dem Team Hessen 1, das von Reservereiterin Lisa Hasselbach unterstützt wurde, gelang eine weitere Sensation. Nach über zehn Jahren erkämpften sich die hessischen Mädels um Mannschaftsführerin Annika Dechert und Athletiktrainerin Janna Schautes endlich wieder einen Platz auf dem Podest und mussten sich mit Rang zwei und der Silbermedaille am Ende nur einem starken Team aus Westfalen geschlagen geben.
 
In der Deutschen Meisterschaft belegte das Team Hessen 2 mit Reservereiterin Lana Formann einen guten sechsten Platz. Das Team Hessen 1 mit Reservereiterin Smilla Mina Hardt wurde toller vierter. Auf diese Leistung sind wir alle sehr stolz, auch wenn mit nur 45 Punkten Rückstand eigentlich nur ein Wimpernschlag zur ersehnten und so hart umkämpften Bronzemedaille fehlte. In der Einzelwertung rangierten sich Nele Bansa und Nele Reineck mit den Plätzen fünf und acht in den Top Ten dieser Meisterschaft ein.
 
Alles in allem wird diese Deutsche Meisterschaft auf heimischem Boden allen Teilnehmenden, Eltern und Begleitern in besonderer Erinnerung bleiben. Gutes Reiten wurde bei insgesamt 16 von 32 Starts mit Grundnoten zwischen 8,0 und 8,8 belohnt und eine Durchschnittsnote von 7,9 lässt uns mit Stolz auf dieses sportliche Erlebnis mit unseren Pferden als zurückblicken.
 
Der Hessische Rundfunk hat unser Team während des Wettkampfes begleitet und in einem Bericht der Hessenschau vom 19.04.2026 einen Einblick geschaffen, der zeigt, dass Vierkampf noch viel mehr ist als nur sportliche Leistungen. Vierkampf ist vor allem Teamgeist. Diese Faszination, dieses „Vierkampffieber“, wie wir es so gerne nennen, durften in diesem Jahr doppelt so viele hessische Reiterfamilien erleben und darauf sind wir sehr stolz und freuen uns sehr, in den nächsten Jahren darauf aufbauen zu können.
 
 
Text: Annika Dechert

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